Den Klimawandel verstehen
Eigentlich sind die physikalischen Grundlagen des Klimawandels seit Jahrzehnten gut bekannt. Trotzdem gibt es Bücher wie „Den Klimawandel verstehen“ von Harald Lesch, Cecilia Scorza‑Lesch und Katharina Theis‑Bröhl.
Obwohl der wissenschaftliche Konsens über die Ursachen des Klimawandels längst feststeht, trifft dieser in der Gesellschaft auf Uneinheitlichkeit, Desinformation und politischen Widerstand. Zusätzlich fehlt vielen Menschen ein einfach zugängliches „Werkzeugkasten“‑Buch, das nicht nur die Fakten aufzählt, sondern die Mechanismen des Klimasystems in Alltagssprache erklärt und mit Gestaltung verbindet, die begeistert. Genau hier setzt das Buch „Den Klimawandel verstehen“ an: Es macht Theorie erfahrbar und verständlich, ohne auf die wissenschaftliche Seriosität zu verzichten.
Sketchnotes im Buch
Das Buch ist mit 100 thematische Doppelseiten aufgebaut, von denen die eine Seite einen kompakten, klar verfassten Text und die gegenüberliegende Seite eine ausgearbeitete Sketchnote bietet. Diese Sketchnotes sind handgezeichnete, farbige Visualisierungen, die Klimasysteme, Treibhauseffekt, Rückkopplungen oder Kipppunkte in einfache Figuren, Symbole und kurze Texte zerlegen.
Sketchnotes dienen laut den Verlagen und Rezensionen nicht nur der „Schönheit“. Sie helfen, das Wesentliche zu kristallisieren und komplexe Zusammenhänge wie Rückkopplungseffekte oder Kipppunkte im Klimasystem übersichtlich darzustellen. Für visuell‑orientierte Leserinnen und Leser können sie so das Verständnis vertiefen.
Beim Durchblättern erinnert das Buch an unterhaltsame Comic-Hefte und vermittelt damit dann doch einen gewissen Spaßfaktor. Trotz des ernsten Themas macht das Anschauen der gelungenen Sketches Freude.

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Die Geschichte der Bienen – von Maja Lunde
Drei Leben, verbunden durch die Bienen – und eine Welt im Ungleichgewicht. Eine Geschichte über Verantwortung, Verlust und unsere Zukunft.
Der Klimawandel bringt Ökosysteme aus dem Gleichgewicht – besonders sichtbar wird das bei den Bienen. Verschobene Blühzeiten, Hitzeperioden und der Verlust von Lebensräumen setzen Bestäubern zu. Was das langfristig bedeutet, zeigt der Roman „Die Geschichte der Bienen“ eindrücklich in erzählerischer Form.
Maja Lundes Buch (2015) verknüpft drei Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten und Regionen:
- England, 1852: William, ein Naturforscher, entwickelt einen neuartigen Bienenstock und kämpft zugleich mit persönlichen Krisen.
- USA, 2007: Der Imker George steht vor dem wirtschaftlichen Aus, als seine Bienenvölker unerklärlich verschwinden ([Colony Collapse Disorder, wissenschaftlich beschrieben, u. a. von der USDA]).
- China, 2098: In einer Zukunft ohne Bienen bestäuben Menschen Blüten von Hand – mühsam und existenziell.
Die drei Handlungsstränge sind lose miteinander verbunden und zeigen, wie eng menschliches Leben und das der Bienen verflochten sind. Zentrales Thema ist die Abhängigkeit unserer Nahrungsproduktion von funktionierenden Ökosystemen – und die Frage, was passiert, wenn dieses Gleichgewicht kippt.
Der Roman verbindet persönliche Schicksale mit einer globalen Entwicklung. Er macht deutlich: Das Bienensterben ist kein isoliertes Naturphänomen, sondern Teil einer größeren ökologischen Krise, die auch den Menschen unmittelbar betrifft.

Die Welt ohne uns – von Alan Weismann
Der Klimawandel rückt die Frage näher, wie stabil unsere gebaute Welt eigentlich ist – und was von ihr bleibt, wenn sich die Bedingungen verändern. „Die Welt ohne uns“ von Alan Weisman hat diesen Gedanken schon 2007 weiter gedacht: Was geschieht mit der Erde, wenn der Mensch verschwindet?
Weisman entwirft kein Katastrophenszenario, sondern ein Gedankenexperiment entlang wissenschaftlicher Erkenntnisse. Er zeigt, wie schnell Spuren menschlicher Zivilisation zerfallen würden: Städte werden von Wasser, Pflanzen und Mikroorganismen zurückerobert, Metalle korrodieren, während Kunststoffe als langlebige Relikte bleiben. Parallel dazu beschreibt er, wie sich Ökosysteme neu ordnen – Wälder kehren zurück, Tierpopulationen stabilisieren sich, Kreisläufe greifen wieder ineinander.
Der Blick ist bewusst nicht anthropozentrisch. Der Mensch ist hier kein Mittelpunkt, sondern eine vorübergehende Erscheinung in einem größeren System. Die Erde „braucht“ uns nicht – sie verändert sich einfach weiter.

Der Quantensprung des Denkens – von Natalie Knapp
Ein Perspektivwechsel: Warum wir die Welt nur verändern können, wenn wir lernen, anders zu denken.
Zusammenfassung:
Natalie Knapp verbindet in ihrem Buch Erkenntnisse aus moderner Physik – insbesondere der Quantenphysik – mit philosophischen Fragen nach Wirklichkeit, Wahrnehmung und Erkenntnis. Im Zentrum steht die Idee, dass die Welt nicht aus festen, isolierten Einheiten besteht, sondern aus Beziehungen, Wechselwirkungen und Möglichkeiten.
Knapp zeigt, dass unser klassisches, oft mechanistisches Denken an Grenzen stößt, wenn es um komplexe Systeme geht. Statt eindeutiger Ursache-Wirkung-Logiken rücken Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und Perspektivenvielfalt in den Vordergrund. Diese Sichtweise eröffnet neue Zugänge zu Fragen von Identität, Freiheit und Verantwortung. Das Buch lädt dazu ein, Ambivalenz nicht als Problem, sondern als produktiven Raum zu begreifen – sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Kontext.
Einordnung:
Viele der Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind – etwa der Klimawandel –, sind nicht nur technischer Natur. Sie sind auch das Ergebnis einer Denkweise, die auf Kontrolle, Vereinfachung und lineare Lösungen ausgerichtet ist. Genau hier setzt Knapp an: Sie macht deutlich, dass wir komplexe, vernetzte Herausforderungen kaum mit den gleichen Denkmustern lösen können, die zu ihnen beigetragen haben.
Das Buch lässt sich daher auch als Einladung lesen, Denkgewohnheiten zu hinterfragen und neue Formen des Verstehens zuzulassen. Wer diesen Gedanken weiterführt, stößt auf etwas Grundsätzlicheres: die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Wandels – nicht nur im Handeln, sondern im Denken selbst.

Lieblingsbücher, die verfilmt wurden – aus dem Lesekreis vom 19.10.2025
Das Parfüm von Patrick Süskind – Nichts für schwache Nerven!
Im 18. Jahrhundert wird Jean-Baptiste Grenouille mit einem außergewöhnlichen Geruchssinn geboren. Fasziniert von der Idee, den vollkommenen Duft zu erschaffen, lernt er die Kunst des Parfümeurs. Doch seine Suche nach Schönheit gerät außer Kontrolle: Um das Unvergängliche festzuhalten, überschreitet er jede moralische Grenze.
Patrick Süskind, geboren 1949, hält sich weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus – und das passt irgendwie auch zu seiner Art zu schreiben. Seine Texte sind präzise, oft mit feinem Spott und einem scharfen Blick für gesellschaftliche Eigenheiten. Bevor er mit „Das Parfüm“ 1985 weltbekannt bekannt wurde, hat er schon Drehbücher und Theaterstücke geschrieben.
Der Film
Die Bestsellerverfilmung nach dem Roman von Patrick Süskind wurde von Bernd Eichinger produziert und von Tom Tykwer mit einem internationalen Top-Cast inszeniert – ein intensives, atmosphärisch dichtes Drama. (Deutschland , Frankreich , Spanien 2006)
Cast: Ben Whishaw, Dustin Hoffmann, Alan Rickman und Karoline Herfurth.
Der Film ist noch bis zum 16.11.25 in der > ZDF-Mediathek zu sehen.
Den > Trailer gibt es bei YouTube zu sehen – aber mit Altersbeschränkung, deswegen kann der hier auf der Webseite nicht eingebettet werden.

Abbitte – von Ian McEwan
Ein großer Liebesroman und eine Geschichte über Schuld und die (Un)Möglichkeit von Wiedergutmachung.
Einer meiner Lieblingsromane – dazu noch genial verfilmt. Im Mittelpunkt steht Briony Tallis, ein fantasievolles Mädchen, das als Kind ein Ereignis falsch deutet und dadurch das Leben zweier Menschen zerstört. Aus ihrem kindlichen „Ordnungssinn“ heraus entsteht eine falsche Beschuldigung, die Robbie Turner unschuldig ins Gefängnis bringt und die Liebe zwischen ihm und ihrer Schwester Cecilia zerstört.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Vielschichtigkeit der Erzählperspektive: Wir erleben die Geschichte erst durch Brionys Blick, später durch verschiedene Zeitebenen – und erst gegen Ende enthüllt der Autor virtuos, was es mit der Abbitte auf sich hat.
Ian McEwan ist einer der bedeutendsten britischen Erzähler der Gegenwart. Bekannt für seine präzise Sprache und psychologische Tiefe, verbindet er in seinen Romanen moralische Fragen mit menschlicher Verletzlichkeit.. In seinen frühen Jahren schrieb McEwan kurze, manchmal unbequeme Geschichten – und fiel damit schnell auf. Der große Durchbruch kam aber erst mit Abbitte (Atonement, 2001). Der Roman wurde mehrfach ausgezeichnet und machte ihn zu einem der prägenden britischen Autoren seiner Zeit.
Der Film
Die gekonnte, feine Verflechtung der verschiedenen Zeit- und Spiel-Ebenen auch im Film abzubilden, war in meinen Augen die ganz große Leistung von Regisseur Joe Wright. Und die geniale Besetzung der drei Hauptrollen. So hatte mir Briony (Saoirse Ronan), Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy) vorgestellt. Saoirse Ronan (als junge Briony) erhielt mit nur 13 Jahren eine Oscar-Nominierung. Regie führte Joe Wright, der für seinen opulenten Filmstil bekannt ist, wie in Stolz und Vorurteil (2005), Anna Karenina (2012), Darkest Hour (2017). Viele Kritiker sehen Abbitte bis heute als eine der gelungensten Literaturverfilmungen der 2000er-Jahre – emotional, bildstark und präzise inszeniert.
> Hier läuft der Trailer zu Abbitte bei YouTube.
Saoirse Ronan ist übrigens auch in einer weiteren McEwan- Romanverfilmung zu sehen: als junge Frau kurz vor der Hochzeit im England der 1960er in dem > Film „Am Strand“ (YouTube-Link zum Trailer)
Tipp von Karin Steinhage

Der Leopard von Giuseppe Tomasi di Lampedusa – Mehr als eine Familiensaga
Ein stilles, melancholisches Porträt des gesellschaftlichen Umbruchs in Sizilien
Inspiriert von der Geschichte Lampdusas eigener Familie, folgt der Roman dem Fürsten Don Fabrizio di Salina über mehrere Jahrzehnte hinweg – von den 1860er-Jahren bis zu seinem Tod. Im Mittelpunkt steht seine Beobachtung des gesellschaftlichen Wandels: Sein Neffe Tancredi schließt sich den Revolutionären an und heiratet Angelica, die Tochter eines aufstrebenden Bürgers – ein Symbol für den Übergang von alter zu neuer Ordnung. Große Ereignisse bleiben im Hintergrund; die eigentliche Handlung spielt sich im Inneren der Figuren ab, in der leisen Einsicht, dass eine Epoche zu Ende geht.
„Der Leopard“ ist übrigens der einzige Roman des sizilianischen Schriftstellers und Adeligen Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Das Buch erschien erst nach Lampedusas Tod, 1958 bei Feltrinelli in Mailand, wurde überraschend zum Bestseller und gilt heute als moderner Klassiker der italienischen Literatur.
Der Film
Die Verfilmung von „Der Leopard“ aus dem Jahr 1963 gehört zu den großen Werken des europäischen Kinos. Regie führte Luchino Visconti, selbst aus adligem Haus – vielleicht konnte er auch deshalb Lampedusas leise Melancholie so eindrucksvoll in Bilder übersetzen. Burt Lancaster spielt den Fürsten Don Fabrizio mit stiller Würde, zwischen Macht und Einsamkeit. Alain Delon und Claudia Cardinale bringen als Tancredi und Angelica die neue Zeit ins Spiel – jung, schön, ehrgeizig. Eine Welt, die sich verändert, und eine, die langsam verschwindet.
Besonders berühmt ist die lange Ballszene am Ende: ein visuell prachtvoller Abschied von einer Epoche. Während die Gesellschaft um ihn tanzt, erkennt Don Fabrizio, dass seine Zeit vorbei ist. Visconti zeigt diesen Wandel nicht mit Worten, sondern mit Licht, Farben, Musik und Bewegung.
Es gibt auch eine Neuverfilmung: eine sechs-teilige Produktion, die seit dem 5. März 2025 auf Netflix zu sehen ist. Aber Vorsicht: Einige Kritiker bemängeln, dass die Serie zu sehr auf Oberfläche und Ästhetik setzt – und an die Tiefe, den historischen und philosophischen Gehalt des Originals nicht heranreicht.
> Hier geht es zum Trailer bei YouTube.

Snoopy für alle Lebenslagen von Charles M. Schulz
Träumer, Philosoph und Alter Ego von Charly Brown
Snoopy ist ein Comic-Hund aus der Peanuts-Truppe von Charles Schulz, und doch ist er mehr als nur das Tier von Charlie Brown. Wer die Comics kennt, weiß: Snoopy lebt in seiner eigenen Welt. Er lässt sich gerne mal treiben, fantasiert auf dem Dach seiner Hundehütte und ist manchmal Flieger, Student oder Poet. Snoopy wurde von Charles M. Schulz erfunden. Er hat die Figur als Teil seiner Comic-Serie „Peanuts“ geschaffen, die erstmals 1950 erschienen ist.
Die Peanuts sind damals in den USA als Comicstrips zunächst in ein einigen Zeitungen erschienen. Aus ein paar Blättern wurden schnell hunderte Zeitungen, später auch Sammelbände und Hefte. In Deutschland kamen die Peanuts erst ab Ende der 60er als Bücher und ab 1970 im „Stern“ so richtig an. Filme und TV-Shows haben dann geholfen, dass Snoopy und Co. auch hier zu Superstars wurden.
Die Peanuts starteten 1950 in sieben US-Zeitungen. Auf dem weltweiten Höhepunkt, etwa um das Jahr 2000, wurden die Peanuts in insgesamt rund 2.600 Medien in 75 Ländern und in 21 Sprachen veröffentlicht.
Aktuell ist der wichtigste Verlag für die Peanuts-Comics in Deutschland der > Carlsen Verlag, Hamburg. Carlsen veröffentlicht sowohl Sammelbände als auch die Gesamtausgabe und zahlreiche Neuerscheinungen, darunter auch spezielle Ausgaben zum 75. Jubiläum der Peanuts. Zum 75. Jubiläum der Peanuts hat aber auch Reclam gerade (2025) ein Buch mit dem Titel „Alles über die Kultfiguren Snoopy, Charlie Brown & Co. von Charles M. Schulz von Joachim Kalka.
Kommentar von Denis Scheck:
»Die Sorgen und Nöte der Peanuts sind kein billiger Ersatz, kein im kindgerechten Maßstab verkleinertes Modell der Menschenwelt, sondern das reale Welttheater kleiner und großer Leute selbst.«
Filme
Der erste Zeichentrick-Kinofilm „Charlie Brown und seine Freunde“ (1969) war der meistgesehene und erfolgreichste Peanuts-Film der Anfangszeit.
Hier geht es zum deutschen YouTube-Trailer
Die Peanuts wurden vielfach als Zeichentrick und Animationsfilme adaptiert, vor allem in Form von vier Kinofilmen, über 40 Fernseh-Specials und mehreren Serien. Die wichtigsten Kinofilme sind „Ein Junge namens Charlie Brown“ (1969), „Snoopy kommt nach Hause“ (1972), „Lauf um dein Leben, Charlie Brown“ (1977) und „Gute Reise, Charlie Brown“ (1980). Hinzu kommen viele Clips, die aus TV-Specials (meist zwischen 20 und 45 Minuten), aus der „Charlie Brown und Snoopy Show“ oder neueren Animationsserien wie „Peanuts by Schulz“ oder „Die Snoopy Show“ stammen.























